Kostenloser
System-Check

Telefonanlagen-
prüfung und
unverb. Beratung

» Stammhaus München
» Niederlassung Leipzig

MTG - News & Events

MTG Nachfolge - Aller guten Chefs sind drei

MTG Nachfolge - Aller guten Chefs sind drei

Der MTG-Kommunikations-Technik GmbH ist gelungen, wovon so mancher Mittelständler nur träumen kann: die fließende Unternehmensnachfolge. Seit drei Jahren führen Horst Keitel und seine beiden Töchter die Firma zu dritt – harmonisch, mit Humor und erfolgreich.

Es ist schon viel geschrieben worden über die besondere Beziehung von Vätern zu ihren Töchtern. Und doch ist noch nicht alles gesagt, solange man diesen Vater und seine zwei erwachsenen Töchter unerwähnt lässt: das Führungstrio der Münchner MTG-Kommunikations-Technik GmbH. Seit drei Jahren leiten die drei Keitels, die seit dem Tod von Horst Keitels Frau vor vier Jahren auch privat nur noch zu dritt sind, das Unternehmen. Und wenn man fragt, ob es denn manchmal schwierig sei so eng beieinander und wo denn die Reibungspunkte seien, dann schaut man in ratlose Gesichter. Nein, mit Konflikten können sie nicht dienen, die Keitels. Und nein, der Papa soll sich ja noch nicht verabschieden aus der Firma. „Wir müssen doch auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen“, sagt Silvia Keitel, mit 41 Jahren die jüngere der beiden Töchter. Natürlich ist das Koketterie und dem alten Herrn ein bisserl geschmeichelt – aber so sind sie nun mal, die Keitels. Der Senior gibt das Kompliment auch gleich zurück, wenn er erzählt, dass neun von zehn Angestellten, die ein Anliegen haben, „zur Silvi gehen und nicht zu mir“. Und das soll was heißen, nach mehr als 40 Jahren als Chef.

1965 stieg Horst Keitel in das 1900 unter dem Namen Münchner-Telefon-Gesellschaft gegründete und seit dem zweiten Weltkrieg von seinem Schwiegervater geleitete Unternehmen ein, 1967 hatte er die Position des geschäftsführenden Gesellschafters inne. In den nächsten rund zehn Jahren gelang es Keitel, aus einem Unternehmen mit vier Angestellten und einer Ausrichtung „halb Fernmeldetechnik, halb Elektroinstallation“ ein auf Fernmeldetechnik spezialisiertes Unternehmen mit 50 Mitarbeitern zu formen. Auch in den nächsten Jahren stellte der Diplom-Ingenieur die Weichen auf Wachstum, was vor allem deshalb gelang, weil er den „Giganten“, also großen Mitbewerbern wie Siemens oder Alcatel, etwas entgegensetzte. „Es hätte ja nichts gebracht, die Großen in ihrer Kernkompetenz anzugreifen“, sagt Keitel rückblickend. „Ich stieß stattdessen in die Lücke vor, in der viele Fremdprodukte zum Einsatz kommen.“ Keitel eroberte die Krankenhäuser, knapp 70 in ganz Südbayern stehen heute auf der Kundenliste der MTG. Daneben vertrauen bekannte Größen wie BMW, das Europäische Patentamt oder die Bavaria Film auf die Leistungen des Systemhauses für Kommunikation. Seit der Eröffnung der Niederlassung in Leipzig im Jahr 1990 ist das Unternehmen aber auch außerhalb Bayerns aktiv. Ingesamt beschäftigt es heute 170 Mitarbeiter, 130 im Stammhaus in München und weitere 40 in Leipzig.

Natürlich ist Horst Keitel stolz, dass es ihm gelungen ist, das Traditionsunternehmen im Laufe der Jahre zu vergrößern. Doch mehr noch freut ihn, dass es die MTG auch dann noch geben wird, wenn er einmal nicht mehr ist. Seine Töchter – da hat der Vater nicht die geringsten Zweifel – werden das Unternehmen in seinem Sinne weiterführen. Dass Sabine Keitel einmal in die Firma des Vaters eintreten würde, war relativ früh klar. „Noch nicht mit 15, da hatte ich solche Hirngespinste wie Kindergärtnerin im Sinn“, sagt sie. „Doch das hatte sich nach einem Praktikum schnell erledigt.“ Sabine Keitel entschied sich stattdessen für eine Banklehre, anschließend studierte sie Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Während des Studiums wuchs auch das Interesse an der MTG. Die Chance, in ein florierendes mittelständisches Unternehmen einsteigen zu können, fand sie äußerst reizvoll. Deshalb zögerte die heute 45-Jährige, nachdem sie ihr Diplom in den Händen hatte, auch nicht mehr lange. Nach einem einjährigen Praktikum in den USA stieg Sabine Keitel 1993 ins väterliche Unternehmen ein, ein Jahr darauf übernahm sie die kaufmännische Geschäftsführung. „Diese Position gab es in der Form vorher nicht“, sagt der Senior, seine Frau und verschiedene Angestellte hätten die Arbeit früher erledigt. „Ein Grund, warum Sabine es einfacher hatte, im Unternehmen Fuß zu fassen“, findet Horst Keitel. „Die Kauffrau wurde von Seiten der führenden Mitarbeiter als Dienstleister betrachtet und nicht so sehr als meine Nachfolgerin“, sagt der Senior. Bei Silvia sei das anders gewesen. „Bei ihr wussten die Mitarbeiter, dass sie am Stuhl des Alten sägt.“

Natürlich hat Silvia nicht am Stuhl ihres Vaters gesägt. Vielmehr war der frühere alleinige Chef froh, als sich die jüngste Tochter endlich entschied, in seine Fußstapfen zu treten. Danach sah es erst einmal nämlich nicht aus, als Silvia Keitel nach ihrer Ausbildung zum Fernmeldeelektroniker zu SEL Alcatel nach Nürnberg ging, um „Kabel zu verlegen“. „Sie hat den jungen, wilden Mann gespielt“, sagt Horst Keitel – und man hört seine Erleichterung, wenn er anschließend aufklärt, dass bei Silvia „das Zehnerl halt später gefallen ist“: Sie machte Fachabitur und „als das funktionierte, da kam auch der Wunsch auf, Elektrotechnik/Nachrichtentechnik zu studieren und anschließend in die Firma des Vaters zu gehen“, sagt die 41-Jährige. Genau so ist es gekommen. 2001 stieg die Diplom- Ingenieurin bei der MTG in München ein, 2005 übernahm sie die Geschäftsführung. Seit drei Jahren lenken die Töchter und der Vater nun zu dritt die Geschäfte. Jeder verantwortet seinen Aufgabenbereich – das hat den Vorteil, dass man sich nicht in die Quere kommt, sondern „bestens ergänzt“, wie Silvia Keitel betont. Nur wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, geht es etwa um Immobiliengeschäfte oder die aktuell anstehenden Umbauarbeiten, behält sich der Senior vor, mitzureden. „Bei Verkaufsgesprächen braucht mich dagegen niemand mehr“, sagt Horst Keitel, der froh darüber ist, dass seine Töchter das Tagesgeschäft alleine stemmen. So kann sich der Vater „den Luxus leisten, einen Dackel zu halten, mit dem ich jeden Morgen spazieren gehe“.

Horst Keitel ist seit geraumer Zeit nur noch halbtags im Büro. Doch diese vier, fünf Stunden sind ihm heilig. Die möchte er „so lange es gesundheitlich geht“ beibehalten – und die Töchter wollen es auch. Ob die Mitarbeiter ebenfalls finden, dass aller guten Chefs drei sind, ist nicht überliefert. Soviel steht aber fest: Das Vater-Töchter-Team sprüht nur so vor Geist und Witz, dass man kurz den Wunsch verspürt, man möge ihre Sekretärin sein.
Sabine Hölper

Nur die Hälfte an Töchter und Söhne
Jedes Jahr müssen rund 12000 bayerische Unternehmer ihre Firma einem Nachfolger übergeben. Nur rund die Hälfte der Firmen wird nach dem Machtwechsel von Familienangehörigen weitergeführt. Etwa elf Prozent der Betriebe rekrutieren einen Nachfolger aus dem Mitarbeiterstab des Unternehmens, gut 12 Prozent werden von externen Führungskräften übernommen, weitere 13,5 Prozent von Mitbewerbern gekauft. Wenngleich die familieninterne Übergabe von den scheidenden Chefs meist als die ideale Lösung angesehen wird: Auch eine Nachfolge von außen ist häufig erfolgreich. Problematisch wird es nur, wenn gar kein Nachfolger in Sicht ist. Auf gut 16 Prozent der bayerischen Firmen trifft das zu. Sie müssen aufgeben.

Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 02/2009

» Zurück zur News & Events Übersicht...